Heute geht's mit den Jungs wieder mal auf die Piste. Fragt mich nicht, warum ich zugesagt habe. Nach dem letzten Chat mit Mutter Beimer, meinem ganz persönlichen Moral-Apostel, ist mir irgendwie jegliches Interesse an Denis vergangen (und vielleicht ist es ganz gut, dass der Cowboy vorbei kommt.) Und als ob das nicht genügen würde, habe ich vorhin, in einen kurzen Nebensatz, erfahren, dass noch so ein Bekannter dazu stoßen wird. Nicht nur das ich den bei der kurzen Begegnung nicht ins Herz geschlossen habe, Denis kann den auch gar nicht so richtig leiden! Der junge Mann ist aus Berlin zu Besuch und Denis hat es anscheinend nicht geschafft, einfach 'Nein' zu sagen.
Worauf ich hinaus wollte: Ich könnte mir den Scherz erlauben und mich so richtig schön tuckig anziehen. Die rote Hose (aus der H&M Damenabteilung), vielleicht sogar mein Gitarren verziertes Top und dazu ein wenig Lippenstift - das es draußen Schweine kalt ist und der normale Mensch nun eher auf Funktionalität achtet, ist mir auch klar. Aber ich glaube, damit der Abend nicht total in die Hose geht (für alle Beteiligten), schmeiße ich mich mal in Schale! Ta!
Um kurz vor acht habe ich dann also auch meine Tasche gepackt, auf zur U-Bahn und die eine Station zum Hauptbahnhof gefahren und dann ab in die Dragon Sauna.
Die Dragon Sauna ist nebenbei bemerkt eine Schwulen Sauna und wer wie ich anfangs glaubte, dass es hier hauptsächlich um das Saunieren geht, wird schnell eines besseren belehrt.
Als ich dann auch endlich die richtige Straße gefunden habe, wurde das schwummrige Gefühl in der Magengegend immer stärker. Seltsamerweise musste ich in dem Moment an die gut gemeinte Ernährungspyramide auf der Cornflakes Packung denken: "Ausgewogene Ernährung, Bewegung und gezielte Entspannung" hieß es auf ihr.
"Ja, genau, gezielte Entspannung, die gönnst du dir nun" sagte ich mir selbst um mich zu beruhigen. Unwissend wie ich war, konnte ich natürlich nicht wissen, dass diese beiden Worte natürlich auf eine ganz andere Art und Weise den Abend im Nachhinein gut zusammen fassen werden...
Der Hauptaugenmerk liegt also wohlgemerkt auf dem sog. "Cruising". Da meine Vorliebe für dieses "sündige Leben" erst durch diese verhurte und schmutzige Stadt zum Vorschein kommt und ich davon ausgehe, dass den allgemeinen hetero sexuellen Bürger sowas nicht unbedingt bekannt ist, beschreibe ich das dortige Ambiente mal.
verhurt - adjektiv (salopp abwertend):
von sexuellen Ausschweifungen gezeichnet
Einmal gibt es den Dampf Raum oder wie ich es nenne "Rapeville". Rapeville ganz einfach deshalb, weil man dort so gut wie gar nichts sieht und in manchen Ecken es so stockfinster ist und mir sofort der Gedanke kam, dass, wenn zwei starke Kerle wollten, sie dort mit mir alles machen könnten was sie wollten und es wohl niemand so recht zu interessieren schiene.
Auch schön war, als ich den Raum betrat, der Latino-Macho (der wie ein Zuhälter aussah) mir sein "Mh mh mh" entgegen hauchte - bloß blieb wohl die erwünschte Wirkung aus, da ich nämlich einfach nur schnell aus dem Kaschier Raum raus wollte.
Ich weiß nicht, ob die Architekten sowas bedenken, aber die ganzen Kabinen, wo der richtige Schweinkram dann von statten geht (und auch ab und zu ein "Ich komme!" zu vernehmen ist) liegen im Keller - damit Dante auch möglichst schnell zu Besuch kommen kann versteht sich.
Aber zurück zum Anfang. Wie so oft stolperte ich ein wenig naiv durch die Gegend und ging erst einmal dem Saunieren nach. Prompt kam ich auch schon mit einem netten (und nicht ganz unansehnlichen Typen) ins Gespräch. Er sei Masseur und wie so oft kam die Frage, ob ich denn von dort sei. (Ich finde es ja immer wieder unglaublich interessant, woran die Leute dies zu erkennen scheinen) In diesen Fall meinte er, er hätte das einfach gespürt.
Anschließend stolperte ich also nicht alleine durch Dante's Reich, sondern in Begleitung und lernte so auch Rapeville kennen.
Der zweite Saunagang war dann nicht so ruhig, sondern von den Tratsch eines älteren Herrn bestimmt, dessen Unmut wohl daher rührte, dass er wohl gerne etwas Sündiges tun wollte, aber die anderen nicht so recht mit ihm und das er jetzt wohl ganz gerne einen Farbigen um den entsprechenden Beistand bitten möchte...
Ich fand diesen Typen zum Kotzen und wie er dann auf den letzten Teil zu sprechen kam, hatte ich echt die Schnauze voll von dem. Zum Glück ist der dann auch schon rausgegangen und ich konnte dann meinen Unmut mit dieser Bemerkung äußern: Entweder hat ihm die Tuntenbrause die letzten Manieren genommen oder er hat sich sein Hirn schon vor langer Zeit rausgewichst. (Ich persönlich tendiere zu Zweiteren.)
Deutlich entspannter ging ich an diese Ruhephase ran und anstatt wie all die prüden Typen ihr Handtuch um die Hüfte schlingen, hielt ich das Handtuch immer an einer Hand, bedeckte meine vordere Blöße gerade so und präsentierte allen meinen Arsch. Ich finde, es gibt viele Orte, an denen Scham eine vielleicht ganz angebrachte Sache ist - und eine Schwulensauna gehört in meinen Augen definitiv nicht dazu!
Im Vorbeigehen sah ich dann den noch etwas attraktiveren Kerl als den Masseur. Ich schaute ihn mir etwas genauer an und setzte mich anschließend nichtsahnend auf eine der Plattformen und lehnte mich einfach entspannt zurück. Kurze Zeit später schaute er um die Ecke und irgendwie hatte ich sowas doch mal in der Schwulenschule gehört, dass wenn ein Kerl den anderen mag, man so eine Art Katz & Maus Spiel abhält...
Er stieg dann hinab zu Dante und ich hatte also die Wahl: Entweder mal was riskieren oder den Schwanz einziehen. Ich stieg dann auch die Treppen hinab und ihr könnt euch sicher sein, dass wir nicht über Dante Alighieri's Göttliche Komödie philosophiert haben!
Da manche von uns ja auch arbeiten müssen, verabschiedete sich der Berufsschullehrer, welcher sich als Marcus vorstellte, eine ganze Zeit später, aber nicht ohne mir überraschenderweise seine Nummer bei meinen dritten Saunagang zu geben. Grinsend verstaute ich dann kurz darauf die Nummer in meinen Spind - irgendwie war mir das Saunieren danach ziemlich egal und ich wollte, dass der Zettel bloß heile bleibt. Interessanterweise war der Masseur, welcher übrigens Martin heißt, auch gerade am gehen, aber vorher überreichte auch er mir noch seine Nummer und ihr könnt euch vorstellen, wie happy ich also gerade bin.
Bleibt es also nur noch an mir zu sagen, dass ich mich ganz langsam in diese dreckige und verhurte Stadt verliebe, da ich wohl anscheinend die größte und dreckigste Hure von allen bin - und ich mag es!
Hab gerad auf einen Blog das etwas andere (verfrühte) Jahres Resümee gelesen. Es ging um die Sexpartner. Sie war sogar so frei und hat allen sieben sogar schmucke Kosenamen verpasst.
Ganz so freizügig bin ich ja dann doch nicht. Ich sage bloß soviel. Die Zahl meiner Sexpartner hat sich vom Jahr 07 zum Jahr 08 bereits verdoppelt, jedoch war die Zahl des Jahres 07 auch an einer Hand abzählbar..
Bleibt mir ja nur noch zu sagen, wie scheiß froh ich doch bin, jetzt hier in Hamburg zu leben!
Immer wenn ich versuche, über einen Kerl hinweg zu kommen, sauge ich diesen einen Song förmlich in mich auf. Seit Monaten habe ich den nicht mehr gehört (..) und heute erkenne ich da auch wieder für mich ne ganz andere Botschaft als damals drinnen.
ich hab ein ziel
ich weiß genau was ichnicht will
2raumwohnung - mach's einfach
Da ich dieses erbärmliche "Ich steh auf einen Kerl der mich nicht haben will" Theater satt (und das " " bitte mit einer Schulmädchen Stimme lesen) habe, geht's gleich auf die Piste - Grünspan - Rock & Metal bis zum abwinken. Und ich glaube, ich gebe mir heute so richtig die Kante!
Yesterday wasn't really my night. But friday was! I wore this fabulous ensemble and, I'm not ashamed to say that, but I was the best fucking dressed fag that night.
I enjoyed the music, shaked my ass and had a really good time, even if no capable guys were there, it was a cool evening though, really..