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Capt. Cock macht seinen Namen alle Ehre!

Um kurz vor acht habe ich dann also auch meine Tasche gepackt, auf zur U-Bahn und die eine Station zum Hauptbahnhof gefahren und dann ab in die Dragon Sauna.

Die Dragon Sauna ist nebenbei bemerkt eine Schwulen Sauna und wer wie ich anfangs glaubte, dass es hier hauptsächlich um das Saunieren geht, wird schnell eines besseren belehrt.

Als ich dann auch endlich die richtige Straße gefunden habe, wurde das schwummrige Gefühl in der Magengegend immer stärker. Seltsamerweise musste ich in dem Moment an die gut gemeinte Ernährungspyramide auf der Cornflakes Packung denken: "Ausgewogene Ernährung, Bewegung und gezielte Entspannung" hieß es auf ihr.
"Ja, genau, gezielte Entspannung, die gönnst du dir nun" sagte ich mir selbst um mich zu beruhigen. Unwissend wie ich war, konnte ich natürlich nicht wissen, dass diese beiden Worte natürlich auf eine ganz andere Art und Weise den Abend im Nachhinein gut zusammen fassen werden...

Der Hauptaugenmerk liegt also wohlgemerkt auf dem sog. "Cruising". Da meine Vorliebe für dieses "sündige Leben" erst durch diese verhurte und schmutzige Stadt zum Vorschein kommt und ich davon ausgehe, dass den allgemeinen hetero sexuellen Bürger sowas nicht unbedingt bekannt ist, beschreibe ich das dortige Ambiente mal.

verhurt - adjektiv (salopp abwertend):

von sexuellen Ausschweifungen gezeichnet


Einmal gibt es den Dampf Raum oder wie ich es nenne "Rapeville". Rapeville ganz einfach deshalb, weil man dort so gut wie gar nichts sieht und in manchen Ecken es so stockfinster ist und mir sofort der Gedanke kam, dass, wenn zwei starke Kerle wollten, sie dort mit mir alles machen könnten was sie wollten und es wohl niemand so recht zu interessieren schiene.
Auch schön war, als ich den Raum betrat, der Latino-Macho (der wie ein Zuhälter aussah) mir sein "Mh mh mh" entgegen hauchte - bloß blieb wohl die erwünschte Wirkung aus, da ich nämlich einfach nur schnell aus dem Kaschier Raum raus wollte.

Ich weiß nicht, ob die Architekten sowas bedenken, aber die ganzen Kabinen, wo der richtige Schweinkram dann von statten geht (und auch ab und zu ein "Ich komme!" zu vernehmen ist) liegen im Keller - damit Dante auch möglichst schnell zu Besuch kommen kann versteht sich.

Aber zurück zum Anfang. Wie so oft stolperte ich ein wenig naiv durch die Gegend und ging erst einmal dem Saunieren nach. Prompt kam ich auch schon mit einem netten (und nicht ganz unansehnlichen Typen) ins Gespräch. Er sei Masseur und wie so oft kam die Frage, ob ich denn von dort sei. (Ich finde es ja immer wieder unglaublich interessant, woran die Leute dies zu erkennen scheinen) In diesen Fall meinte er, er hätte das einfach gespürt.

Anschließend stolperte ich also nicht alleine durch Dante's Reich, sondern in Begleitung und lernte so auch Rapeville kennen.

Der zweite Saunagang war dann nicht so ruhig, sondern von den Tratsch eines älteren Herrn bestimmt, dessen Unmut wohl daher rührte, dass er wohl gerne etwas Sündiges tun wollte, aber die anderen nicht so recht mit ihm und das er jetzt wohl ganz gerne einen Farbigen um den entsprechenden Beistand bitten möchte...
Ich fand diesen Typen zum Kotzen und wie er dann auf den letzten Teil zu sprechen kam, hatte ich echt die Schnauze voll von dem. Zum Glück ist der dann auch schon rausgegangen und ich konnte dann meinen Unmut mit dieser Bemerkung äußern: Entweder hat ihm die Tuntenbrause die letzten Manieren genommen oder er hat sich sein Hirn schon vor langer Zeit rausgewichst. (Ich persönlich tendiere zu Zweiteren.)

Deutlich entspannter ging ich an diese Ruhephase ran und anstatt wie all die prüden Typen ihr Handtuch um die Hüfte schlingen, hielt ich das Handtuch immer an einer Hand, bedeckte meine vordere Blöße gerade so und präsentierte allen meinen Arsch. Ich finde, es gibt viele Orte, an denen Scham eine vielleicht ganz angebrachte Sache ist - und eine Schwulensauna gehört in meinen Augen definitiv nicht dazu!

Im Vorbeigehen sah ich dann den noch etwas attraktiveren Kerl als den Masseur. Ich schaute ihn mir etwas genauer an und setzte mich anschließend nichtsahnend auf eine der Plattformen und lehnte mich einfach entspannt zurück. Kurze Zeit später schaute er um die Ecke und irgendwie hatte ich sowas doch mal in der Schwulenschule gehört, dass wenn ein Kerl den anderen mag, man so eine Art Katz & Maus Spiel abhält...

Er stieg dann hinab zu Dante und ich hatte also die Wahl: Entweder mal was riskieren oder den Schwanz einziehen. Ich stieg dann auch die Treppen hinab und ihr könnt euch sicher sein, dass wir nicht über Dante Alighieri's Göttliche Komödie philosophiert haben!

Da manche von uns ja auch arbeiten müssen, verabschiedete sich der Berufsschullehrer, welcher sich als Marcus vorstellte, eine ganze Zeit später, aber nicht ohne mir überraschenderweise seine Nummer bei meinen dritten Saunagang zu geben. Grinsend verstaute ich dann kurz darauf die Nummer in meinen Spind - irgendwie war mir das Saunieren danach ziemlich egal und ich wollte, dass der Zettel bloß heile bleibt. Interessanterweise war der Masseur, welcher übrigens Martin heißt, auch gerade am gehen, aber vorher überreichte auch er mir noch seine Nummer und ihr könnt euch vorstellen, wie happy ich also gerade bin.

Bleibt es also nur noch an mir zu sagen, dass ich mich ganz langsam in diese dreckige und verhurte Stadt verliebe, da ich wohl anscheinend die größte und dreckigste Hure von allen bin - und ich mag es!

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